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Der Sturm auf die Feste
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IDammned
Sol Invictus

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Beitrag #1
Der Sturm auf die Feste
--- Der Sturm auf die Feste ---





--- Diese Geschichte wurde anonym eingereicht ---


Es mischten sich heraufziehende, brennende Schwaden des Ahnens und Suchens von nahendem Übel in die letzten, durchdringenden Strahlen der untergehenden Abendsonne. Gleich schallenden Kirchenglocken drangen Schreie und Rufe von den widerhallenden Ebenen der Gassen und Straßen in den Himmel hinauf und verflochten sich in Nebelfetzen und Wolkenbrüchen zu einer von Unheil und baldigem Kampfe wiederklingenden Ansammlung der Angst vor Tod und Verderben. Die Boten der Verdammnis zogen sich auf langsamen Spuren zu den Gebäuden der wachenden Geschöpfe. Die Grenzen der Siedlung überschritten, ersuchten die Diener der Versporung ihren Feind auf dieser Insel zu einem Gefecht, um die Hoffnung der Menschen, wie deren Existenz, ein für alle Mal in den erdenen Boden zu stampfen und dort zu zerdrücken. Riesige, blutrünstige und niederträchtige Kreaturen schoben ihre unnatürlich entstellten Gliedmaßen zwischen den Häuserwänden hindurch, starrten hinab auf diese kleinen menschlichen Wesen, die sie mit ahnenhafter Kraft zertrümmern würden und stießen röhrende, hungrige Rufe aus ihren verzerrten Kehlen aus. Manche von ihnen schienen sogar auf dem Boden zu kriechen, andere hatten gar keine Gesichter, eines von ihnen war mit der Größe eines Turmes versehen – und schob sich wie eine vernichtende Naturgewalt voran. Die Rufe wiederholten sich. Die Angst war Verzweiflung gewichen. Todesangst, die nichts mehr mit Vorsicht oder einer sichernden Maßnahme des menschlichen Geiste gemeinsam hatte. Die Einwohner wurden zu dem letztverbliebenden Ort gedrängt, der ihnen an diesem Ort der Hölle noch den Schein der Sicherheit zu tragen vermochte. Der Strom der Massen zog sich zu der Festung. Der Festung Haynwacht, die wie der erboste Schädel eines längst verstorbenen, titanischen Molochs auf dem Hügel thronte. Das Volk versammelte sich. Es zog sich in den Bergfried, den Pfeiler des Schutzes zurück. Hinauf. Hinauf bis auf das Dach des Turmes. Mochte Sol ihnen gnädig sein. Es waren ehrwürdige, schwarze Kräfte, die durch ihre Deformation gar der hellen Macht Sols gleichzukommen vermochten. Doch den Menschen war von Sol eine Macht geschenkt worden, die kein anderer so gut zu nutzen vermochte wie sie. Die Hoffnung. Zurückgedrängt, auf den Boden geworfen und ohne Ausweg, erhoben sich die Massen und stießen ihre Dolche in die Füße des übermächtigen Gegners. Wutentbrannt, bewaffnet und entschlossen, rückten die Mannen des Grafen vor. Das Tor war verriegelt. Die massiven Gitter und das dicke Holz würden trotzen! Auf den Wehrgängen stellten sich die Schützen der Landwehr auf. Sie reihten sich wie eingespielte Schachfiguren nebeneinander auf und legten Pfeil wie Bolzen an. Ein einziger Formationskörper aus gepanzerten Soldaten nahm vor dem Tor Stellung. Sie nahmen die Waffen in die Hände und warteten. Es war still. Die Vögel waren verstummt und selbst das ferne Rauschen des Meeres war nicht mehr als ein trügerischer Punkt der Ablenkung. Baa…RUMPF! Ba…RUMPF! Langsam und wie das unausweichliche Schicksal kamen die Erdniederwälle des unsichtbaren Riesen näher. Es folgten die anderen Gestalten. Hässlich und voller Bosheit. Gekommen, um zu vernichten und den Menschen ihre Herzen wie ihre Seelen aus ihren Körpern zu reißen. Es ist ein Moment der Bekenntnis und des Erkennens, wenn einem klar wird, dass es keinen Ausweg mehr gibt. Wenn Pfeil um Pfeil abgeschossen wird, an den dicken Hornschichten eines unbekannten Wesens abprallt und das wie flüssiges Wasser über den Gegnern niederregnende Feuer der Brandsätze wie herbstliche Regentropfen zerschellen und einzig das Lodern des Feuers in den Augen der gigantischen Fratze erneut erflammt. Wenn auf dem Bergfried gebetet wird und einzig die Gunst des allmächtigen Herren dem Schaffen des Bösen noch Einhalt gebieten könnte. Wenn unmenschliche Pranken die Gitter zerfetzen, herausreißen und meterweit hinter sich werfen - das stets beschützende Holztor wie ein Weizenkorn unter einem Amboss zerdrückt und zur Seite geschmettert wird. Wenn die Menschen den Wesen, die ihr Fortleben auslöschen werden, Auge in Auge gegenüberstehen, werden die Menschen zum Monster. Es würde nicht dieser Tag sein, an dem der Mensch der Last von Sols Auftrag erliege. Es wäre nicht heute, da Schwert wie Lanze breche und die Klauen der Feinde sich in das Fleisch der Frauen und Kinder kralle. Ein jedes Opfer wäre angemessen für die weitere Existenz der Menschen, die ihr Leben weiterführen könnten. Der Mensch lebt für die Ewigkeit. Die Geschichte würde sich der Taten erinnern. Nicht derer, die sich geopfert hätten. Aber den Willen der menschlichen Geschöpfe, der den schützenden Schild erst möglich gemacht hatte, würde man in späteren Zeiten erneut einsetzen. Der Mensch ist schwach. Aber er besitzt die Hoffnung. Und in der Masse ist er unbesiegbar. Durch die Fortexistenz ist er unsterblich. Der Wille der Eltern lebt in jedem Kind weiter. Die Menschen sind Brüder und Schwestern. Denn sie stammen von Sol. Es wäre nicht heute, an dem dieses Wissen in Vergessenheit gerate, der Bund breche und man nicht mehr treu Seite an Seite stehe. Das Tor war gefallen. Die Kreaturen stürmten. Doch der Sturm brandete wie schwarzes Wasser gegen die Granitfelsen der Brandung. Es wurden Äxte geschwungen – sie zertrümmerten und rissen Schnitte in das gelblichrote quellende Gemisch aus Fleisch. Die Schreie waren wieder da. Doch sie waren ein Chor. Ein riesiger Chor der Menschen, die der immerwährenden Kraft der Menschheit Sinn und Ziel verlieh und sich direkt gegen die Monster richtete. Speere wurden geschleudert. Sie bohrten sich in die zahlreichen Ebenen der chitinartigen Panzerung. Die Felsen der Brandung lösten sich auf. Sie wurden zu Orkanen, die sich gegen die Sturmwellen der Dunkelheit richteten. Der Pfeilhagel bohrte sich in den Körper, in die Augen und empfindliche Stellen der Versporten. Schwerter wurden geschwungen. Die Kunst war dem Kampfe gewichen. Es wurde geschmettert. Blut zog sich in langen Linien wie Farbstreifen des Himmels durch die Luft. Fleischbrocken fielen. Es stürzten sich Männer auf die Kreaturen. Flammen wurden geworfen. Der Berg in der Mitte drehte sich mit seinen Pranken – gleich meterlangen Lanzen – um sich selbst und schmetterte jeden zu Boden, der ihm nah kam. Doch die Menschheit ist kein Gegner, der einfach zu Boden geht und dort bleibt. Im Angesicht des direkten Kampfes auf Leben und Tod flieht keiner. Es fiel Mann um Mann. Doch die Reihen füllten sich durch die Nächsten. Der Berg kam ins Wanken. Die Hiebe setzen weiterhin nach. Die kleineren Kreaturen lagen zerfetzt und von Pfeilen durchbohrt auf dem Boden. Es mochte der Tag sein, an dem ich selbst ein solches Bild von Heldenmut und Glorie gesehen habe, das Seinesgleichen sucht. Während Mannen von Königen und Kaisern wie ihren direkten Herren auf Schlachtfeldern für Macht und Geld gegeneinander in den Krieg ziehen, vermag der Schutz der Schwachen stets immer noch das zu sein, für welchen das Kämpfen und Sterben am meisten von Ehre und Aufopferung zeugt. Die Sonne erstarkte und brach durch die Schwaden des flammenden Rauches, als der Koloss durch das zertrümmerte Tor nach außen niederging und dort wie ein großer, kraftberaubter Berg seine unnatürliche Struktur verlor. Das Wesen brach zusammen. Es brach zusammen. Und die Sonne strahlte wieder. Es war eine Lehre gewesen, die Weidenau wie der gesamten bekannten Welt ein Zeichen der Tugend und des Willens statierte. Jubel und Rufe des Ruhmes erbrandete über den Dächern. Der Mensch ist schwach. Doch ihm wurden vor Äonen tiefere Mittel zu Teil, aus welchen er schöpfen kann, wenn er abseits des Offensichtlichen in Situationen der Wahrheit gerät.
10.04.2020, 19:33
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